ausziehen!

… die Situation war nicht sexistisch, weil “Ausziehen!” kein geschlechtsspezifisches Urteil enthält, sondern die Aufforderung, nackte Haut zu zeigen und das ist meinetwegen gg. den bürgerlichen Anstand, sich zu verhüllen in der Öffentlichkeit, gerichtet. Ein Urteil über das Geschlecht der Person steckt darin nicht.

a.) würden wir in ner vernünftigen gesellschaft leben, ja.
b.) könnte man davon ausgehen, dass da leute gebrüllt haben, die alle miteinander keine sexistischen urteile mit sich rumschleppen, ja.

a.) leider nicht erfüllt
b.) fraglich (bin sehr skeptisch)

es ist ja eigentlich ganz simpel: in der tat steckt in dem ausruf selber - „zieh‘ dich aus“ – nichts, was auf sexismus schließe ließe. aber das ist ja auch nicht das, was die, die frittenbudes aktion gut fanden, behaupten. die behaupten was anderes, nämlich: dass dieser aufruf in der real existierenden drecksgesellschaft in der öffentlichkeit nur an frauen gerichtet wird. und wenn etwas immer nur an das eine geschlecht gerichtet wird, aber so gut wie nie an das andere – und das, obwohl es dafür überhaupt keinen gescheiten grund gibt –, dann lässt sich daraus durchaus ableiten, dass da sexismus im spiel ist. das scheint mir – zumind. implizit – die argumentation zu sein.

was mich persönlich interessiert, ist nicht so sehr, was passiert ist, sondern viel mehr, was nicht passiert ist: auf der bühne stehen also ne zeitlang männer – nämlich die typen von frittenbude selbst –, kein „zieh dich aus“ (oder: „zieht euch aus“) zu hören. (dann kommt ne frau rauf, und es geht los. aha.)

vielleicht hätten ja ein paar frauen (und männer) im publikum die männer von frittenbude gerne entblößt gesehen, haben sich aber nicht rufen getraut. – liegt das an der gesellschaft? bzw. korrekter: daran, dass sie sich gewissen vorstellungen darüber, wie man männern gegenüber so auftritt, angepasst haben bzw. diese vorstellungen verinnerlicht haben?

der genosse granit sagt, noch jeder junggesellinnenabend ende mit ausziehrufen. ich weiß nicht, ob das stimmt, denn ich verkehre nicht in kreisen, in denen geheiratet wird, dementsprechend selten bin ich auf solchen events (nämlich nie). aber ok. ganz offensichtlich gibt es also das bedürfnis nach nackten körpern, was nun nicht wirklich überraschend ist. aber wieso hört man diesen ruf so gut wie nur, wenn frauen „unter sich“ sind? wieso haben die frauen bei frittenbude nicht „ausziehen“ gegrölt, gemeinsam mit ein männern, die auch auf nackte männeroberkörper stehen? kommt euch das nicht auch komisch vor?
und man komme mir jetzt bitte nicht mit sexistischem schwachsinn wie zB, dass frauen halt nicht – im gegensatz zu männern – so „sexuell orientiert“ seien, sondern mehr auf kuschelkuschel und empathie oder was weiß ich. „von natur aus“ und so1.
das junggesellinnenabend-beispiel widerlegt das ja auch: das bedürfnis nach nackten körpern scheint durchaus vorhanden zu sein, es wird nur so gut wie nie in der bürgerlichen öffentlichkeit formuliert. man kann es sich da jetzt einfach machen: selber schuld. mit solchen selber-schulds lassen sich sowieso alle gesellschaftlichen verhältnisse, die no na ned nur bestehen können, weil die überwiegende mehrheit mitmacht, bestens individualisieren. aber manchmal ist einfach zu einfach. erklärt hat man damit mmn auf jeden fall nichts. oder?

apropos:

Vielleicht mögen die nackte Körper auf Techno-Bühnen, keine Ahnung.

korrektur: frauenkörper. die „jungen herren“3 haben ja eben nicht „ausziehen“ richtung männer gerufen. obwohl man davon ausgehen kann, dass bei so nem konzert einige männer dabei sind, die auf männerkörper stehen. ich ziehe daraus eben den schluss, dass es sachen gibt, die man in dieser gesellschaft zu männern in der öffentlichkeit einfach nicht sagt/sagen sollte (als frau, aber auch als mann). wieso? ist es vielleicht so, dass jemanden zum „objekt der begierde“ machen“ mit aktivität zu tun hat – man macht da ja was, willentlich -, zum „objekt der begierde“ einer anderen person zu werden, aber mit passivität - hat man nicht in der hand2? und dass „männlichkeit“ immer noch mit aktivität assoziiert wird, „weiblichkeit“ mit passivität? und dass es als eine beleidigung der bzw. als ein verstoss gegen die „männlichkeit“ verstanden wird, wenn ein mann in der öffentlichkeit zum „objekt der begierde“ gemacht wird?
das scheint mir die richtung zu sein, in die es geht. weitere überlegungen werden gerne angenommen in der kommentarspalte.

eigentlich sollte hier noch weiteres stehen – aber ich war/bin zu faul; ein teil, der noch hätte fortgesetzt werde müssen, wurde daher wieder gelöscht. nur noch zwei sachen ganz kurz:

1. Eine Masse, die sich so auf eine Person einschiesst, finde ich eklig. Auch wenn die Person mitmacht. Und die Stimmung, die dann vorherrscht, ist ebenso eklig. Es ist ausserdem das langweiligst-mögliche Verhalten. (saalschutz) – ja, eh. aber ist das nicht bei fast jedem konzert so? war das publikum nicht „eingeschossen“ auf frittenbude?
2. „spasten“ ?!

  1. das ist jetzt ne warnung an diesen evolutions-christian, der seit neuestem blogsport mit biologistischen und sexistischen kommentare vollspamt. [zurück]
  2. was auch ausgesprochen unangenehm sein kann, zB stalking. (die meisten stalker sind männlichen geschlechts, aber es gibt auch weibliche stalker; und es gibt natürlich auch gleichgeschlechtliches stalking.) [zurück]
  3. die frau ist ein „weib“. ich hege angesichts der zwei kommentare ernsthafte zweifel daran, dass subversor damit – herren und weib - den sexismus der gesellschaft zitieren will. scheint mehr die billige provotour („hab ich echter kommunist wieder mal moralisierende linke geärgert, hihi.“) zu sein. naja, wem’s taugt … [zurück]

7 Antworten auf „ausziehen!“


  1. 1 tee 16. August 2010 um 23:18 Uhr

    die be­haup­ten was an­de­res, näm­lich: dass die­ser auf­ruf in der real exis­tie­ren­den drecks­ge­sell­schaft in der öf­fent­lich­keit nur an frau­en ge­rich­tet wird.

    und diese behauptung ist mächtig schief, denn:

    - meistens sind hetero-männer bei solchen gelegenheiten in der überzahl, in der es nicht viel mut bedarf in solche sprechchöre zu verfallen

    - gibt es beispiele, in denen auch frauen (in der masse, genügend alkoholisiert) so etwas rufen

    … womit ich nur deine mutmaßung untermauern möchte:

    viel­leicht hät­ten ja ein paar frau­en (und män­ner) im pu­bli­kum die män­ner von frit­ten­bu­de gerne ent­blößt ge­se­hen, haben sich aber nicht rufen ge­traut.

    ob­wohl man davon aus­ge­hen kann, dass bei so nem kon­zert ei­ni­ge män­ner dabei sind, die auf män­n­er­kör­per ste­hen. ich ziehe dar­aus eben den schluss, dass es sa­chen gibt, die man in die­ser ge­sell­schaft zu män­nern in der öf­fent­lich­keit ein­fach nicht sagt/sagen soll­te (als frau, aber auch als mann).

    du willst also aus deiner geschätzten quote von männern mit homosexuellen neigungen diesen schluss ziehen? gewagt gewagt! wie hoch war die quote denn? etwa so hoch wie die frauenquote?! na ich nehme stark an, die haben sich dann nicht getraut!

    Eine Masse, die sich so auf eine Per­son ein­schiesst, finde ich eklig. Auch wenn die Per­son mit­macht.

    und ich finde kotspiele eklig. egal wer mitmacht. aber sollen sie halt, kann und will ich nicht drüber urteilen.

    Es ist aus­ser­dem das lang­wei­ligst-​mög­li­che Ver­hal­ten.

    dass du auf das erste geschmacksurteil noch einen draufsetzen kannst – alle achtung!

    … aber immerhin geht’s mit der aktivität und passivität in die richtige richtung ;)

  2. 2 umwerfend 17. August 2010 um 0:09 Uhr

    wie viele frauen waren da bei dem konzert? ich dachte: naja, vielleicht knapp die hälfte? aber du scheinst dich besser auszukennen mit den heteromännern in der überzahl.
    wieso wurden nicht die männer auch angegrölt? von den paar frauen zB? (dass es bsp gibt dafür, dass frauen das auch machen, bestreite ich nicht – ich bringe ja selber eines. nur kommt es dir nicht auch ein bisschen so vor, dass das doch nicht ganz so ausbalanciert ist, um es mal so zu nennen?) haben sich nicht getraut, weil nicht viele genug, oder wie? ist das was, was man nur im „mob“ macht? du scheinst dich da ja auszukennen.erzähl mal.

    hast was gegen meine geschmacksurteile? ist mir wurscht. wo schreib ich denn, dass man das nicht machen darf od. soll? mich soll man nur verschonen damit. — aber, total überraschend, worum es mir da eigentlich ging: darum, dass das, was da benannt wird, ja überhaupt nicht erst seinen anfang nahm, als die frau auf podium stieg. verstehst?

  3. 3 tee 19. August 2010 um 2:27 Uhr

    ist das was, was man nur im „mob“ macht? du scheinst dich da ja auszukennen.erzähl mal.

    hat justus ganz gut hier erklärt. da irgendwo steht auch zum rest so einiges.

    mich soll man nur verschonen damit.

    das sagten früher auch mal leute über küssen in der öffentlichkeit oder homosexuelle. ist halt nur ein geschmacksurteil und kein argument dagegen. von daher ok, wenn man es einfach macht. und das finde ich wiederum im hier betrachteten fall nicht.

  4. 4 umwerfend 21. August 2010 um 20:50 Uhr

    das sagten früher auch mal leute über küssen in der öffentlichkeit oder homosexuelle.

    ich mag keine animateure, die das publikum anheizen = geschmacksurteil.
    andere mögen/mochten keine homosexuelle = „geschmacksurteil“.
    --> ist umwerfend homophob? und hitler war vegetarier!

    ist halt nur ein geschmacksurteil und kein argument dagegen.

    eh. und? war das behauptet worden?

    von daher ok, wenn man es einfach macht. und das finde ich wiederum im hier betrachteten fall nicht.

    wieso?

  5. 5 bolle 05. September 2010 um 17:56 Uhr

    „mich soll man nur verschonen damit.“

    dann geh doch einfach innen wald und sei ruhig.

  6. 6 umwerfend 05. September 2010 um 20:12 Uhr

    lol

  1. 1 partyzionist » Blog Archive » | la novità | Pingback am 16. August 2010 um 19:45 Uhr
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