Archiv für Mai 2012

blogsport

lebt!

(zumindest derzeit)

Herr Keiner

Herr K. lebt, als Herr Keiner. Interessierte, die die ausgezeichneten Geschichten in Buchform genießen möchten, wenden sich ab 23. Mai bitte an den Buchhandel. Kostproben gibts hier.

Ein Häppchen sei auch hier gereicht (hier findet sich ein weiteres):

Herr Keiner und die Umwelt
Darauf angesprochen, wie er es denn mit der Verantwortung für die Umwelt halte, stellte Herr K. eine Gegenfrage: „Sind Sie für die Veränderung der herrschenden Eigentumsverhältnisse?“ Der so Angesprochene verstand die Frage nicht und wollte wissen, was denn das eine mit dem anderen zu tun habe. Herr K. antwor­tete: „Sehr viel, denn ich kann nichts für die Umwelt tun, weil mir, wohin ich auch schaue, von meiner Umwelt nichts gehört.

Überall sehe ich Schilder, auf denen steht, dass hier ein Privat­besitz beginnt, also meine Befugnisse enden. Wenn von diesen verschiedenartigen Besitzungen eine Gefährdung der natürlichen Lebensgrundlagen ausgeht, dann liegt dies in der Verantwortung des großen Eigentums und der staatlichen Gesetze, die dessen Gebrauch regeln.

Soll ich etwa ideell Verantwortung übernehmen, eine Verant­wortung, die ich reell gar nicht ausüben kann?“, fragte Herr K.

Der Fragesteller, der nicht locker ließ, sagte: „Aber Herr K., tragen Sie als Verbraucher nicht Mitverantwortung für die Schäden, die bei der Produktion der Waren entstehen, welche sie kaufen?“

„Nein“, antwortete Herr K. „Ich habe einmal versucht, als Ver­braucher Verantwortung zu tragen und bei der großen Firma Y angerufen und gesagt, dass ich das nicht in Auftrag gegeben habe, dass sie ihren Nahrungsmitteln Giftstoffe beimischen. Aber die Zuständigen der Firma haben mich aus der Verantwortung ent­lassen und mir bedeutet, dass das ganz allein ihre Entscheidung sei.

Sie sehen also“, sagte Herr K., wieder zu dem Fragesteller im Publikum gewandt, „ich habe gar nicht die Macht, Verantwortung für die Umwelt zu tragen“.

antikapitalismus

<3

duden

es gibt leute, die wissen nicht, was rezeption heißt. man könnte ihnen raten, die buchstabenkombination r-e-z-e-p-t-i-o-n nur lange genug anzuschauen, dann würde sich der inhalt schon erschließen. man könnte ihnen aber auch raten, zum duden zu greifen und nachzuschlagen. der duden liefert via onlinesuche 16 einträge, manche direkt zu „rezeption“, , manche zu daraus abgeleiteten worten (z.B. „rezeptionist“). nicht einfach für denjenigen, der auf der suche ist: meint rezeption jetzt den empfang im hotel oder „1. Auf-, Übernahme fremden Gedanken-, Kulturguts; 2. verstehende Aufnahme eines Kunstwerks, Textes …“? das erschließt sich nur durch den kontext — in der regel wiederum wörter. und wenn man die auch nicht kennt, muss man noch viel mehr nachschlagen. so wie man auch weiterschlagen muss, wenn man wörter nicht kennt, mit denen der duden ein wort erklärt.

jetzt könnte man sagen: super, dass es den duden gibt, der den objektiven inhalt von wörtern festhält. nur: der duden hält überhaupt keine „objektiven“ inhalte fest. das merkt man spätestens dann, wenn die redaktion ein „veraltet“ wohin setzt, erklärungen ändert oder neue buchstabenkombinationen aufnimmt. soll heißen: aufgabe der duden-redaktion ist es, kontinuierlich einzufangen, welche inhalte einer buchstabenkombination gerade mehrheitlich zugewiesen werden. die aufgabe der duden-redaktion ist es also nicht, buchstabenkombinationen stunden- und jahrelang anzuschauen, auf dass sie ihren „objektiven“ inhalt preisgeben; den gibt es nämlich nicht. sonst wäre ja auch sowas wie ein duden überflüssig. den duden gibt es, weil es den „objektiven“ inhalt so gar nicht gibt. duden-leute beschäftigen sich nicht mit angeblich objektiven inhalten, sondern damit, wie sich menschen zu einer buchstabenkombi verhalten.
weil der duden den schwerpunkt auf aktuell durchgesetzte zuweisungen setzt, ist er ein bisschen langsam beim einfangen: daher dauerte es ein paar jahre, bis zB simsen aufgenommen wurde. andere nachschlagwerke sind schneller, denn sie setzten auf die direkte mitwirkung der wortbenutzerInnen. beispiel: das urban dictionary.