eine frage der liebe!

Es geht nicht ums Urheberrecht – es geht um Liebe.

- ein internetfuzzi

das handelsblatt lässt in einer kampagne medienkonzern-manager gemeinsam mit kunst- und kulturschaffenden aufmarschieren und brüllen: „mein kopf gehört mir!“ die internetgemeinschaft ist empört und hält dagegen:

Nur weil etwas kostenlos konsumiert wird, kann es dennoch finanziert worden sein: vorab, über andere Jobs, im Nachhinein, über Werbung.

also: entweder man sammelt vorher geld ein — ja wie denn und von wem? sollte man am besten schon geld haben massenhaft? —, oder währenddessen über nen anderen job — kunst und kultur als hobby! — , oder nachher — durch hackeln oder spenden sammeln; des weiteren kann man auch alles mit werbung vollspamen. man sieht es schon vor sich: der neueste jelinek-roman mit raika-bannern. ist doch alles ganz easy!

da ist sie wieder, die gnadenlose und strunzdumme ignoranz: wenn ein obdach kostet, ebenso essen und wasser, medikamente etc pp. — alles gefressen und abgenickt. nur bei kunstwerken uä soll es anders sein. dass es die privatrechtsordnung ist, die die künstler dazu zwingt, ihre werke zu verkaufen statt zu verschenken, ist kein thema. stattdessen brabbelt man etwas von „liebe“ — und konstatiert bei künstlern mangelnde liebe. das problem ist aber nicht mangelnde liebe, sondern dass alles in dieser warenproduziernden gesellschaft geld kostet, und auch kunst- und kulturschaffende geld benötigen, um wenigstens auf ein paar waren zugreifen zu können. und die argumentation der internetdeppen ist die gleiche, wie wenn ich zum bäcker nebenan gehe und verlange, dass er ab jetzt alles verschenkt: der geht binnen kurzer zeit pleite — weil er jetzt ohne einnahmen geld ausgeben muss für obdach und co — und dann ist alles wie vorher. alles gleich beschissen wie vorher.


13 Antworten auf „eine frage der liebe!“


  1. 1 tee 08. April 2012 um 14:22 Uhr

    dazu passt auch das ganz gut: http://ccc.de/updates/2012/drehbuchautoren

  2. 2 tee 08. April 2012 um 14:33 Uhr

    und wiederum dazu und den antideutschen grass-quatsch der letzten tage der überfällige generator: http://wortfeld.de/offenerbrief/

  3. 3 umwerfend 08. April 2012 um 16:58 Uhr

    der brief der drehbuchautoren war aber auch gruselig. das ist das bedauerliche: beide seiten schreiben/sagen quark.

    lustig finde ich übrigens, dass alle immer stolz auf flattr verweisen. das ist wie wenn man das trinkgeld einer kellnerin anpreist.

  4. 4 umwerfend 08. April 2012 um 17:01 Uhr
  5. 5 umwerfend 08. April 2012 um 17:07 Uhr

    last but not least: http://www.vgwort.de/verguetungen/auszahlungen/texte-im-internet.html
    man braucht aber nen mindestzugriff. kenne leute, die dadurch mehr kriegten als vom verlag selber.

  6. 6 Felix 08. April 2012 um 19:25 Uhr

    Off topic und nur weil tee den „Grass-Quatsch“ erwähnt und damit es nicht im allgemeinen Empörungsgekeife untergeht: Was auch noch gesagt werden muss! (Hintergrund)

  7. 7 Ronnie aus Jena 17. April 2012 um 14:50 Uhr

    Finanzierung

    - vorab: Na ja, wenn ein Verlag, Fernsehsender, eine Plattenfirma einen Auftrag vergibt und ordentlich zahlt, kann es dem Urheber schnurz sein, ob sein Werk dann unentgeltlich konsumiert wird.

    - über andere Jobs: In dem Fall sind womöglich Abstriche in der Qualität bzw. im Aufwand zu erwarten. Aber ehrlich gesagt ist das ja schon lange keine Ausnahmeerscheinung.

    - über Wer­bung: Auch nix Neues, aber es scheint ja (s. Google) eine Möglichkeit zu sein, die Zukunft hat.

    Fazit: Der CCC und die Piraten bewegen sich ganz systemimmanent, und es kann sein, dass sie mit neuen Geschäftsmodellen alte aus dem Feld schlagen und das Geldverdienen mit immateriellen Gütern modernisieren helfen.

  8. 8 umwerfend 17. April 2012 um 17:38 Uhr

    ad 1. wieso sollte ein verlag oä sowas komisches machen? die so im auftrag produzierte ware lässt sich dann nicht zum geld abpressen verwenden, wenn sowieso jeder zugriff hat — die möglichkeit zum ausschluss soll ja gerade abgeschafft werden. das macht diesen bereich dann uninteressant für die warenproduktion.

  9. 9 Ronnie aus Jena 17. April 2012 um 18:51 Uhr

    Klar, jemand produziert etwas, tritt die Rechte daran ab und kassiert ein Honorar. Ist doch nicht so ungewöhnlich?

    Folgendes Video, in dem sich reformistisch für sehr kurze Schutzfristen ausgesprochen wird, weiß von einer Zeit zu berichten, in der im deutschsprachigen Raum kein wirksamer Urheberschutz existierte. Nämlich bis 1840. Folge: Bücher waren billiger, es gab mehr Titel und die Autoren haben mehr verdient.

    http://www.youtube.com/watch?v=yrtV5m5FdFg

  10. 10 umwerfend 17. April 2012 um 20:04 Uhr

    mein punkt war: die verlage können das werk dann nicht verschachern.
    der vergleich mit der geschichte ist lustig: kann man auch für den journalismus sagen. war damals halt einfach noch kein beruf bzw. in extrem geringem ausmaß ;) die journalismusgeschichte datiert daher den beginn des journalismus als beruf um einiges später.

  11. 11 umwerfend 17. April 2012 um 20:08 Uhr

    dass es damals mehr bücher gab, halte ich für ein gerücht. wir reden alleine für deutschland von gut 90.000 titeln, die jährlich neu erscheinen. wer soll die 1840 gelesen haben? die oberen waren wohl ganz schon beschäftigt mitm lesen …

  12. 12 umwerfend 17. April 2012 um 20:27 Uhr

    hier daten zur buchproduktion aus jener zeit: http://books.google.at/books?id=w4m9CiymLOMC&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false
    der typ im video plappert blödsinn daher.

    edit:

    „außer kraft gesetzt“ heißt ja, dass es davor ein nachdruckverbot gab.

  13. 13 Ronnie aus Jena 18. April 2012 um 9:46 Uhr

    Na ja, er sagt, mehr Buchtitel als in England, wo es seit 1710 ein wirksames Urheberrecht gab.

    Sonst: Keine Ahnung, müsste man wohl das Buch von dem Typen lesen, um da weiter einzusteigen.

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