Archiv für April 2012

Peter Decker: Thesen zu den Charaktermasken des Kapitals …

Peter Decker: Thesen zu den Charaktermasken des Kapitals, den sozialen Klassen – und was für antikapitalistische Politik daraus folgt.

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lesenswert

honecker, im original groß- und kleinschreibung, erster eintrag im tagebuch:

„29. juli 1992

berlin in sicht. die stadt liegt in der abendsonne. ich sehe den fernsehturm, um den walter so gekämpft hat*. ich freue mich immer noch, dass ich ihn dabei unterstützte. er hatte dabei einen schweren stand. aber schließlich doch die mehrheit.
so sah es unter der „diktatur“ aus, in der demokratie, die sozialistisch war.
der turm steht immer noch auf berliner boden. wie ich hörte, soll noch die „eigentumsfrage“ von grund und boden geklärt werden*. ja, daran haben wir wohl damals nicht gedacht. ich weiß auch nicht, wem er gehört. früher gehörte er dem volk. […]“

*alleine die editorischen notizen zu diesen zwei punkten füllen fast eine ganz seite. — top-arbeit!

Podiumsdiskussion mit Peter Decker und Michael Heinrich

für alle in und um bielefeld wohnenden ein highlight. die anderen, zB ich, freuen sich auf die aufzeichnung:

Klassen – Kämpfe – Kommunismus

Seit 2007 steckt der Kapitalismus in einer Verwertungskrise, Banken und Staaten drohen Bankrott zu gehen, ganze Wirtschaftsektoren knicken ein. Seit Beginn bemühen sich die Regierungen der Industrienationen mit Sparprogrammen, Rettungsschirmen und Finanzmarktregulationen der Krise etwas entgegenzusetzen, um sie möglichst unbeschadet zu überstehen bzw. das Beste aus ihr zu machen. Alle diese Versuche werden, egal ob in den USA, Griechenland, Deutschland oder sonstwo, auf dem Rücken der Lohnabhängigen durchgeführt – weswegen ebenfalls seit Beginn der Krise in verschiedenen Formulierungen zu hören ist: „Wir zahlen nicht für eure Krise!“ Angesichts dieses zu Krisenzeiten virulenten und zunächst nur vage formulierten Bewusstseins davon, dass die eigene Existenz im Kapitalismus permanent bedroht ist, sowie angesichts immer wieder stattfindender Versuche ihm kollektiv etwas entgegenzustellen, haben wir Peter Decker und Michael Heinrich zu einem Podium zum Klassenbegriff eingeladen: macht der Klassenbegriff überhaupt noch Sinn? Haben wir es bei den derzeitigen Protesten mit Klassenbewusstsein zu tun? Ist der Kapitalismus als ein System anonymer Herrschaft, das sich „hinter dem Rücken“ der in ihm Gefangenen vollzieht, richtig beschrieben? Oder birgt diese Perspektive die Gefahr, einer falschen Analyse der gesellschaftlichen Akteure Vorschub zu leisten, da der Kapitalismus als System der Ausbeutung von Arbeitskraft notwendig zwei sich feindlich gegenüberstehende Klassen zur Voraussetzung hat – und insofern die Herrschaft der in ihm mächtigen Akteure ist? Und was folgt aus alledem für eine adäquate Kritik des Kapitalismus?

via

Thesen & Diskussion: Sparpaket (Salzburg)

WannMittwoch, 11. April · 19:00
WoSub Salzburg - Müllner Hauptstraße 11b, 5020 Salzburg

Die Finanzkrise macht sich als “Staatsschuldenkrise” weiterhin breit und veranlasst die politisch Herrschenden dazu, ihre BürgerInnen mit (weiteren) Sparpaketen zu beglücken. Wenig überraschend treffen die unter dem Titel “Schuldenbremse” daherkommenden Maßnahmen zuallererst die Lohnabhängigen. Deren weitere Verarmung soll die Verschuldungsfähigkeit der Staaten auf dauerhafte Grundlage stellen – denn auf Kredite, und seien es auch nur welche, die der Zurückzahlung von alten Krediten dienen, will und kann kein bürgerlicher Staat verzichten. Die notwendige Kreditwürdigkeit demonstrieren Staaten durch Wachstum und Wachstumsaussichten. Kapitalistisches Wachstum wiederum erfordert Unternehmen, die Geschäfte wittern. Da bei diesen der Lohn der Lohnabhängigen in der Kalkulation als Abzug vom Gewinn auftaucht, kommt man ihnen staatlicherseits gerne mit Maßnahmen entgegen, die die Lohnsenkung befördern.

Im Workshop werden nicht nur die Maßnahmen des Sparpakets behandelt, sondern auch die sich um diese rankenden Ideologien. Gleichzeitig wird klar werden, dass man, wenn man dem Kapitalismus das Däumchen drückt, um Verarmungsmaßnahmen nicht herumkommt. Das aktuelle österreichische Sparpaket ist nicht einfach nur eine Brutalität von SPÖ und ÖVP. Auch alle anderen Parteien, die zur Standortverwaltung antreten, würden ähnliche Maßnahmen setzen. Denn Kapitalismus ist nur mit dauerhaft verarmter Mehrheit zu haben.

via Basisgruppe Gesellschaftskritik

eine frage der liebe!

Es geht nicht ums Urheberrecht – es geht um Liebe.

- ein internetfuzzi

das handelsblatt lässt in einer kampagne medienkonzern-manager gemeinsam mit kunst- und kulturschaffenden aufmarschieren und brüllen: „mein kopf gehört mir!“ die internetgemeinschaft ist empört und hält dagegen:

Nur weil etwas kostenlos konsumiert wird, kann es dennoch finanziert worden sein: vorab, über andere Jobs, im Nachhinein, über Werbung.

also: entweder man sammelt vorher geld ein — ja wie denn und von wem? sollte man am besten schon geld haben massenhaft? —, oder währenddessen über nen anderen job — kunst und kultur als hobby! — , oder nachher — durch hackeln oder spenden sammeln; des weiteren kann man auch alles mit werbung vollspamen. man sieht es schon vor sich: der neueste jelinek-roman mit raika-bannern. ist doch alles ganz easy!

da ist sie wieder, die gnadenlose und strunzdumme ignoranz: wenn ein obdach kostet, ebenso essen und wasser, medikamente etc pp. — alles gefressen und abgenickt. nur bei kunstwerken uä soll es anders sein. dass es die privatrechtsordnung ist, die die künstler dazu zwingt, ihre werke zu verkaufen statt zu verschenken, ist kein thema. stattdessen brabbelt man etwas von „liebe“ — und konstatiert bei künstlern mangelnde liebe. das problem ist aber nicht mangelnde liebe, sondern dass alles in dieser warenproduziernden gesellschaft geld kostet, und auch kunst- und kulturschaffende geld benötigen, um wenigstens auf ein paar waren zugreifen zu können. und die argumentation der internetdeppen ist die gleiche, wie wenn ich zum bäcker nebenan gehe und verlange, dass er ab jetzt alles verschenkt: der geht binnen kurzer zeit pleite — weil er jetzt ohne einnahmen geld ausgeben muss für obdach und co — und dann ist alles wie vorher. alles gleich beschissen wie vorher.