nachdem man zu beginn der sogenannten „griechenland-krise“ alles darauf gesetzt hatte, die griechischen lohnabhängigen als faule schmarotzer zu zeichnen, die sich tagtäglich auf kosten anderer am strand die sonne auf den prall gefüllten bauch scheinen lassen, hatte man eine zeitlang darauf verzichtet, vom lebensalltag des gemeinen griechen zu berichten. doch irgendwann ist a.) das schweigen nicht mehr durchhaltbar ohne aufzufallen und b.) stellt sich ja sowieso ganz prinzipiell die frage, wieso man aus der armut nicht profit schlagen sollte. gute frage, und schon geht’s los.
seitdem wird die leserschaft in regelmäßigen abständen mit berichten über die sich verschärfende armut in griechenland beglückt. spiegel und zeit machen mit, und auch der focus, nicht zuletzt bekannt durch sein hetzerisches titelblatt, ist vorne dran. nichts wird verschwiegen: obdachlosigkeit, hungern etc. alles wird behandelt. die armut wird nicht verschwiegen, sondern verbraten wie es sich für eine profitorientierte medienlandschaft gehört. wer aber denkt, dass sich die berichterstattung der öffentlich-rechtlichen medien davon unterscheide, täuscht sich gewaltig. dort regiert zwar nicht der profit, aber dafür der deutsche/österreichische/… standpunkt.
die armut wird also nicht verschwiegen, sondern es wird über sie berichtet. die frage ist nur: wie? – wie über naturereignisse. seitenlange beschreibungen über die armut, aber kein hauch einer analyse. das ist halt so, und so muss es auch sein. sachte wird der leser daran erinnert, was für auswirkungen es hat, wenn gegen die regeln der naturgewalt markt verstoßen wird. angesichts der damit einhergehenden verwerfungen muss man dankbar sein für eine politik, die schon vor jahren und nach wie vor dafür sorgt, dass man als lohnabhängiger marktkonform dahindarbt. hartz-iv war und ist eben schon notwendig, schau nach griechenland! die griechen zahlen nun die rechnung dafür, dass sie wider die naturgewalt handelten.
Das Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich wird als ein notwendiges Übel gesehen. Das ist sogar eine Prise härter als der Vergleich mit Naturkatastrophen – denen versucht man immerhin entgegen zu wirken.