linker sumpf

es gibt mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit nichts sumpfigeres, als die debatten zwischen linken und antideutschen und zwischen antideutschen und linken – wenn man das denn so nennen mag: in wahrheit beschränken sich die – äh – debatten zu geschätzten 98% auf reines gegenseitiges anklagen und anprangern. moralisieren und denunzieren.

- das kotzt mich an.

- das kotzt mich an, weil da draußen zahlreiche, wenn nicht unzählige menschen nicht wissen, wie sie über die runden kommen sollen – und die linke klagt sich gegenseitig an.

- das kotzt mich an, weil da draußen zahlreiche, wenn nicht unzählige menschen nicht wissen, wie sie über die runden kommen sollen und nicht raffen, woran das liegt, und sich dann auf die suche nach schuldigen begeben – und die linke klagt sich gegenseitig an.

- das kotzt mich an, weil da draußen zahlreiche, wenn nicht unzählige menschen nicht wissen, wie sie über die runden kommen sollen und nicht raffen, woran das liegt, und sich dann auf die suche nach schuldigen begeben, mal juden, mal muslime (er)finden – und dann, ja dann, ist vielleicht mal ein linker oder ein antideutscher empört.

- das kotzt mich an, weil da draußen zahlreiche, wenn nicht unzählige menschen nicht wissen, wie sie über die runden kommen sollen und nicht raffen, woran das liegt, und sich dann auf die suche nach schuldigen begeben, mal juden, mal muslime (er)finden – und dann plärren von allen seiten empörte linke/antideutsche und schreien dem antisemiten anklagend ins gesicht, „du bist antisemit!“, schreien dem antimuslimischen rassisten anklagend ins gesicht, „du bist antimuslimischer rassist!“

- das kotzt mich an, weil da draußen zahlreiche, wenn nicht unzählige menschen nicht wissen, wie sie über die runden kommen sollen und nicht raffen, woran das liegt, und sich dann auf die suche nach schuldigen begeben, mal juden, mal muslime (er)finden, und dann plärren von allen seiten empörte linke/antideutsche und schreien dem antisemiten anklagend ins gesicht, „du bist antisemit!“, schreien dem antimuslimischen rassisten anklagend ins gesicht, „du bist antimuslimischer rassist!“ – und der antisemit / der antimuslimische rassist denkt sich: ja eh, und damit liege ich doch auch vollkommen richtig! ohne diese schädlinge käme ich hier viel besser vor.

- das kotzt mich an, weil da draußen zahlreiche, wenn nicht unzählige menschen nicht wissen, wie sie über die runden kommen sollen und nicht raffen, woran das liegt, und sich dann auf die suche nach schuldigen begeben, mal juden, mal muslime (er)finden, und dann plärren von allen seiten empörte linke/antideutsche und schreien dem antisemiten anklagend ins gesicht, „du bist antisemit!“, schreien dem antimuslimischen rassisten anklagend ins gesicht, „du bist antimuslimischer rassist!“, und der antisemit / der antimuslimische rassist denkt sich: ja eh, und damit liege ich doch auch vollkommen richtig!, worauf die linke / die antideutschen extrem schockiert sind und sich erst recht heiser empören: wir haben es immer schon gewusst!

FAIL. einfach nur linker sumpf.


24 Antworten auf „linker sumpf“


  1. 1 umwerfend 26. Dezember 2011 um 1:18 Uhr

    achtung: das soll kein aufruf sein, sich zu einigen. sondern einer dazu, mal die verhältnisse zu kritisieren und diese kritik den lohnabhängigen zu vermitteln. ob man sich als kritiker des privateigentums AD nennt oder antiimp, ist mir wurscht. solange die kritik stimmt und sich nicht nur an symptomen der gesellschaft abarbeitet.

  2. 2 tee 26. Dezember 2011 um 2:56 Uhr

    wieviele linke kennst du denn, die sich ausschließlich mit antimuslimischem rassismus und/oder antideutschen beschäftigen?

  3. 3 rhizom 26. Dezember 2011 um 9:51 Uhr

    Ich glaub, der Fehler, den du machst, ist, dass du antimuslimischen Rassismus nicht als Teil des Klassenkampfs betrachtest, und zwar eines Klassenkampfs von oben. In den Worten von Jennifer Petzen: es geht um die Kulturalisierung sozialer Ungleichheit, darum, sich eben nicht mehr über die Folgen von Armut, sondern über „mangelnden Integrationswillen“ zu unterhalten, das heißt die Schuld bei denen zu suchen, die das Kapital für überflüssig erklärt hat.

    Was ich aber gar nicht teilen kann, ist die Vorstellung, dass es sich bei antimuslimischem Rassismus um eine spontane Ideologie der Arbeiterschaft handelte; gar um eine falsche Erklärung, die sie sich von ihrer Lage machten. Wenn überhaupt, dann benutzen die das recht bewusst (und nicht, weil sie’s nicht besser wüssten) als Konkurrenzmittel gegen noch weiter unten – aus der festen Überzeugung heraus, in der Nationalität und jetzt, da die meisten „Ausländer_innen“ gar keine mehr sind, in der Zugehörigkeit zum „christlich-abendländischen Kulturkreis“ so etwas wie ein natürliches Privileg zu besitzen, das ihnen eine bevorzugte Behandlung auf den Ämtern und am Arbeitsmarkt zusichert. Aber auch da wird klar, dass sie auf einer Unterscheidung aufsatteln, die ihnen Staat und „vierte Gewalt“ doch allererst so an die Hand gegeben haben; es sich am Ende also gar nicht um ihr eigenes Kampfmittel handelt, sondern um einen Zug im Klassenkampf von oben, der konsequent allein von bürgerlichen Parteien wie der CDU geführt wird, weil die schon ahnen, wem er in Wahrheit zugute kommt und wovon er eigentlich ablenkt – nämlich der sozialen Frage.

    Es ist ja mittlerweile verpönt, die Klassenkampf-Schablonen des ML zu verwenden. Aber „Spaltung der Arbeiterklasse“, das trifft es immer noch ganz gut, auch wenn’s den empirischen Arbeitern zu sehr die passive, vermeintlich unschuldige Rolle als bloßes Manipulationsobjekt bürgerlicher Ideologie zuschreibt.

  4. 4 umwerfend 26. Dezember 2011 um 12:11 Uhr

    lieber rhizom,
    zuallererst: das war und ist kein aufsatz über antimuslimischen rassismus.
    jetzt zu den differenzen (woraus sich auch ergibt, worin ich dir zustimme):

    Was ich aber gar nicht teilen kann, ist die Vorstellung, dass es sich bei antimuslimischem Rassismus um eine spontane Ideologie der Arbeiterschaft handelte; gar um eine falsche Erklärung, die sie sich von ihrer Lage machten. Wenn überhaupt, dann benutzen die das recht bewusst (und nicht, weil sie’s nicht besser wüssten) als Konkurrenzmittel gegen noch weiter unten – aus der festen Überzeugung heraus, in der Nationalität und jetzt, da die meisten „Ausländer_innen“ gar keine mehr sind, in der Zugehörigkeit zum „christlich-abendländischen Kulturkreis“ so etwas wie ein natürliches Privileg zu besitzen, das ihnen eine bevorzugte Behandlung auf den Ämtern und am Arbeitsmarkt zusichert.

    und das ist doch bitte ideologie. alleine der gedanke, man sei als echter deutscher staatsbürger privilegiert, ist ein falscher gedanke.

    meine behauptung ist jetzt, dass rassisten den rassismus nicht bewusst als konkurrenzmittel benutzen – und eigentlich sind sie in wahrheit keine rassisten – , sondern das zentrum der debatte der staat ist. die gedanken, die der rassist wälzt, sind nicht die des konkurrierenden privatsubjekts, sondern die des staatsbürgers. beides ist natürlich vermittelt, aber es geht meiner meinung nach ganz klar nicht drum, dass da rassisten, die eigentlich gar keine rassisten sind, das benutzen, um jobs zu ergattern.
    ne, der diskurs ist doch: die sitzen unserem staat auf der tasche. auch: da wurde eine verfehlte migrations- und somit auch standortpolitik betrieben. – gegen „gute“ migranten hat ja der antimuslimische rassist nichts. in philosemitisch-antisemitischer manier wurde er gerne scharen von ostjuden importieren für deutschland.
    das ist das thema zB bei sarrazin, der ja durchaus anklag fand und findet.

    übrigens ist der diskurs um sarrzin aufschlussreich: nicht wenigen waren seine äußerungen zu muslimen (und solchen die er dafür hielt) zu viel des guten. es gab ja einen rassismus-skandal.
    wozu es keinen skandal gab: zu seinen kapiteln zur „unterschicht“ im allgemeinen. das war kein thema in den medien, bei den rezensionen, und das ist schnell erklärt: dieser unterschichtenrassismus und die zumutungen, die da formuliert wurden, sind standard. eine selbstverständlichkeit.
    so viel auch zur ideologie, man wäre „privilegiert“.

    und ja, politik und medien bombardieren das volk mit rassismus. aber nein, das muss man sich schon noch zu eigen machen. und viele radikalisieren das auch noch.

  5. 5 tee 26. Dezember 2011 um 14:57 Uhr

    was ich hier vor allem rauslese, ist: da sollen sich linke nicht mit antimuslimischem rassismus beschäftigen, etwa weil die beschäftigung damit verkehrt wäre. nein, sondern weil du denkst, die vernachlässigen sonst das hauptaufgabengebiet. feldherrin umwerfend – argument geprüft, zu eigen gemacht und zur ausführung bereit!

    ich meine mal, was antideutsche betrifft – denn darauf zielt der beitrag ja – kommt der gute tipp ein paar jahre zu spät. was jedoch nicht den antismulimischen rassismus der mehrheitsgesellschaft betrifft.

    und eigentlich sind sie in wahrheit keine rassisten

    was wahrscheinlich soviel heißen soll wie: „bevor sie sich den rassismus zu eigen machten“, also zu rassisten wurden.

    ne, der diskurs ist doch: die sitzen unserem staat auf der tasche. auch: da wurde eine verfehlte migrations- und somit auch standortpolitik betrieben. – gegen „gute“ migranten hat ja der antimuslimische rassist nichts.

    nee, das ist nur eine seite des diskurses. den kulturrassistischen moment blendest du völlig aus. da geht es mal um’s schächten und mal um die angst vor der scharia, zwangsheiraten und verschleierung. und angst vor terrorismus sowieso.

    ich dachte ja erst, du meinst nur den antideutschen antimuslimischen rassist. doch auch antideutsche fürchten nicht selten, dass in jedem muslim aufgrund seiner vermeintlich tief reaktionären und antisemitischen religion ein terrorist und antisemit schlummert und es insofern keine „guten“ muslimischen migranten geben kann.

  6. 6 tee 26. Dezember 2011 um 15:00 Uhr

    und eigentlich sind sie in wahrheit keine rassisten

    woher kommt mir die logik vom „eigentlichen subjekt“, also dem „eigentlichen willen“ nur so bekannt vor?!

    :-?

  7. 7 umwerfend 26. Dezember 2011 um 15:03 Uhr

    tee: du schreibst an mir vorbei. ich mache jetzt einen mittagsschlaf, dann antworte ich.

    ps: rhizom schreibt – und widerspricht sich damit später selber –, dass das keine rassisten seien.

    Wenn überhaupt, dann benutzen die das recht bewusst (und nicht, weil sie’s nicht besser wüssten) als Konkurrenzmittel gegen noch weiter unten

  8. 8 rhizom 26. Dezember 2011 um 15:26 Uhr

    Der Unterschichtenrassismus ist doch vermittelt mit dem Rassismus gegen Muslime und nicht einfach was Anderes. Da wird eben Kriminalität nicht als Folge der zunehmend prekären sozialen Lage eines großen Teils der Bevölkerung – und da eben vor allem von Migrant_innen –, sondern als Ausdruck einer abweichenden Kultur gelesen, deren Angehörige vom Staat entsprechend zu disziplinieren oder einzusperren wären.

    Dass Sarrazins Unterschichtenrassismus nicht zum Thema wurde, hängt doch genau damit zusammen: Direkt kann man ihn nicht artikulieren – das lassen sich die Bildzeitungsleser nicht gefallen –, vermittelt durch die Hetze gegen Migrant_innen aber schon. Wenn Westerwelle was über die „spätrömische Dekadenz“ unter Hartz-IV-Beziehern schwafelt, dann hat das immer noch einen Skandal zur Folge. Von „kriminellen Arbeiterjugendlichen“ dürfte man in der Öffentlichkeit gar nicht erst reden, von „kriminellen Ausländerjugendlichen“ dagegen schon.

    Und da verkennst du eben antimuslimischen Rassismus als einen Gegenstand, der getrennt vom Klassenantagonismus zu behandeln wäre – gar als eine Unart der Unterschichten, so als wäre es nicht vielmehr eine Möglichkeit, die deutschen Unterschichten mit ins Boot zu holen, wenn es gegen ihre eigenen Interessen geht.

    Davon abgesehen ist der Rassismus auch nicht nur etwas Symbolisches, sondern da geht’s auch darum, die Drecksarbeit in diesem Land zu verteilen. Und für gewisse Leute hat das eben schon einen Fahrstuhleffekt zur Folge. Deutsche Mittelschichts-Frauen hätten sich kaum in dem Maße emanzipieren können, wenn nicht migrantische Frauen seit den 70ern für sie das Putzen übernommen hätten. Das ist ja das bestgehütete Geheimnis des deutschen Feminismus, der jetzt so gnadenlos über die „patriarchalischen Geschlechterverhältnisse“ unter Migrant_innen herzieht.

    Dass das alles nur vermittelt über den Staat geht, ist vielleicht etwas monokausal gedacht, obwohl’s ein Fortschritt gegenüber den Idioten ist, die den Staat Anfang der 90er gegen den Rassismus der Unterschichten mobilisieren wollten und dabei gern mal ausblendeten, wer denn mit seiner „Asylantendebatte“ die Schleuse überhaupt erst geöffnet hatte.

    Im Großen und Ganzen finde ich es betrüblich, dass du diese Themen so gegeneinanderstellst statt zu fordern, dass man sie endlich zusammen diskutieren soll. Dennn eigentlich ist deine Kritik am „moralischen Antirassismus“ durchaus unterstützenswert, nur dass du nicht siehst, dass auch er eine Erbe antideutscher Debatten und ihrer Konstruktion einer homogenen „Volksgemeinschaft“ ist.

    Der Linken lässt sich dieser moralische Antirassismus überhaupt nicht in toto zurechnen. Die Antira z.B., die sich mit tatsächlicher Flüchtlings-Unterstützungsarbeit befasst (Chipkarten-Ini etc.), hat ihre Kritik am Rassismus von der sozialen Frage nie in der Weise abgetrennt, wie es die Antifa tut. Da ist deine Verallgemeinerung auf „die Linke“ einfach grundverkehrt.

    Zum Thema Antisemitismus könnte ich jetzt auch noch was sagen. Denn schau dir mal die „Antisemitismus“-Debatten an und erzähl mir noch mal, dass es dabei wirklich um Antisemitismus ginge…

  9. 9 star wars 26. Dezember 2011 um 16:16 Uhr

    @ umwerfend

    ne, der diskurs ist doch: die sitzen unserem staat auf der tasche. auch: da wurde eine verfehlte migrations- und somit auch standortpolitik betrieben.

    Und was ist also, wie könnte dann eine korrekte, im Vergleich zu einer verfehlten, Migrations- bzw. Standortpolitik eigentlich betrieben werden :)? Der eigentlich Skandal besteht doch darin unbedingt „Verfehlungen“ im Namen des „nationalen Wir“ entdecken zu müssen. Gerade wenn ein Konkurrenzsubjekt, und Staatsbürger, meint entdeckt zu haben dass „Migranten“ dem Staat auf der Tasche liegen, meint er doch immer auch seine Tasche, und die der anderen Mitglieder eines nationalistisch abgefärbten Gemeinwesens, gleich mit. Sonst kommt er doch nicht dazu auf den Rassismus zwischen innen/außen, im Rahmen des „nationalen Wir“ (des Staates, „unseren“ Standortes“ usw..) zugreifen zu müssen.

    Aber vom Rassismus streicht die staatbürgerlicxhe Brille dennoch nichts weg. Vielmehr muß der Rassist Abstand nehmen von allen Gegensätzen, und seinem Privatinteresse, um als „Deutscher“ oder was auch immer seine Bestimmung im „gemeinsamen Wir“ meinen gefunden zu haben. Also schadet der „Migrant“ bzw. die verfehlte Migrationspolitik des Staates den Staat selber. Nur so funktiniert das falsche am staatsbürgerlichen Bewußtsein als Phantasterei.

    Der Staat andererseits achtet auf Herabsetzung auf ein Minimum der (unproduktiven) Staatsaufgaben, und auf eine reibungslose Integration möglichst der gesamten Arbeiterklasse in die bürgerlichen Gesellschaft (und auch im Staat). Darauf aufbauend seine Diskriminierungen (z.B. Arbeitsmarkt- und Sozialgesetzgebung). Der Staat besitzt also sowohl ein materielles Interesse an (sozialpolitischer) Diskriminierung, ist zugleich einer ihrer Nutznießer. Auf der Ebene des Staates brauchen wir uns also (vorerst) nicht nach falschem Bewußtsein umzusehen. Der Staat nimmt als Ordnungshüter, und Gewaltmonopolist, seine Funktion als Reproduktionsgarant der kapitalistischen Gesellschaft wahr.

    Der Zweck der ganzen Chauce besteht in Erhalt der (internationalen) Konkurrenzfähigkeit des heimischen Standorts, und darüber hinaus, und vor allem, Erhalt und Reproduktion der kapitalistischen Klassengesellschaft, und ihrer Nutznießer (der Kapitalisten, und ihres Vermögens). Dafür braucht er die (latente) Unterstützung seines (nationalen) Staatsbürgertums.

    Von ihm registrierte, potentielle „outsider“ („Unterschichten“, relativ „erfolglose“ Migranten), mit ihrer latent aufsässigen Lebensstilkultur, werden dagegen gnadenlos stigmatisiert, damit die Phantasterei des „nationalen Wir“ beim Staatsvolk neue Nahrung erhält (es wird ausgegrenzt und gespalten), sowie der Startschuss für eine auf die (sozialpolitische) Spitze getriebene Standortpoltitik abgegeben.

  10. 10 umwerfend 26. Dezember 2011 um 19:42 Uhr

    @tee:

    da sollen sich linke nicht mit antimuslimischem rassismus beschäftigen, etwa weil die beschäftigung damit verkehrt wäre. nein, sondern weil du denkst, die vernachlässigen sonst das hauptaufgabengebiet.

    wo steht das? es steht da: das moralisieren im allgemeinen und das gegenseitige anklagen im besonderen, ist kein beitrag zur kritik des antisemitismus oder des antimuslimischen rassismus. damit hat man beides genau null bekämpft.

    nee, das ist nur eine seite des diskurses. den kulturrassistischen moment blendest du völlig aus. da geht es mal um’s schächten und mal um die angst vor der scharia, zwangsheiraten und verschleierung. und angst vor terrorismus sowieso.

    nein, das blende ich nicht aus. dass aber in dem beitrag alles angesprochen wird, war ja offensichtlich nicht der anspruch.

    das sind nationalistische bebilderungen und ängste, die nochmals hervorheben, dass „sie“ nicht zu „uns“ gehören – und auch die angst vor einer „unterwanderung“ formulieren.

    und da möchte ich sagen: der antimuslimische rassismus hat andere qualitäten als „normale ausländerfeindlichkeit“, ist nämlich zu einer ordentlichen verschwörungstheorie mutiert:
    http://al-samidoun.blogspot.com/2011/12/in-moslemischer-hand.html

    zu sagen: da geht es um konkurrenz um arbeitsplätze und genau dafür wird es von arbeitern bedient – die eigentlich besser bescheid wissen –, ist zu kurz gegriffen.

    +++

    @rhizom:

    Der Unterschichtenrassismus ist doch vermittelt mit dem Rassismus gegen Muslime und nicht einfach was Anderes.

    wo steht denn da, dass das einfach was anderes ist? „im allgemeinen“ steht da. der antimuslimische rassismus baut darauf auf.

    Dass Sarrazins Unterschichtenrassismus nicht zum Thema wurde, hängt doch genau damit zusammen: Direkt kann man ihn nicht artikulieren – das lassen sich die Bildzeitungsleser nicht gefallen –

    na offensichtlich schon: http://4.bp.blogspot.com/_oxmM-2lfqkY/TIK6FR-KNpI/AAAAAAAAABQ/8fJDxg4gh0E/s1600/Bild+Meinung2.jpg

    In der „Bild“-Zeitung im Juni 2007: „Es ist dekadent, der Bevölkerung vorzugaukeln, es gäbe Einkommen ohne Anstrengung.“

    zur kriminalität: die rede ist da natürlich auch von unterschicht (wenngleich natürlich öfter „ausländer“ oder spezieller „muslime“):
    http://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Unterschicht#Die_neue_Unterschicht_in_der_.C3.B6ffentlichen_Meinung

    Und da verkennst du eben antimuslimischen Rassismus als einen Gegenstand, der getrennt vom Klassenantagonismus zu behandeln wäre – gar als eine Unart der Unterschichten, so als wäre es nicht vielmehr eine Möglichkeit, die deutschen Unterschichten mit ins Boot zu holen, wenn es gegen ihre eigenen Interessen geht.

    1. nein, ich meine gerade nicht, dass man das getrennt behandeln sollte.
    2. nein, auch behaupte ich nicht, dass rassismus ein „unterschichten“-phänomen ist. nachweislich ist der in der sog. „mittelschicht“ verbreiteter.
    3. ich habe ein problem damit, wenn man so locker-flockig von den „interessen“ der arbeiter spricht, als wären die so klar. du meinst ja einfach nur: die werden geschädigt. ja, das stimmt. nur das problem ist: da die erbärmliche lohnarbeiterexistenz daran hängt, von anderen zum zwecke der kapitalvermehrung be- und ausgenutzt zu werden, machen sie genau das zu ihrem interesse. das ist ja die brutalität dieser gesellschaft. daher wird auch von arbeiterseite dem wachstum das däumchen gehalten.
    lohnarbeiter existieren als lohnarbeiter nur als anhängsel des kapitals.

    erbe: verschwendete liebesmüh. achja, antisemitismus: stimmt, in den debatten, die da in der linken szene toben, geht es lange nicht immer um wirklichen antisemitismus. was ja gleich die nächste absurdität ist: es rennen durchaus antisemiten in der gegend rum, aber statt diese zu kritisieren, arbeitet man sich an schmarrn wie strukturellem antisemitismus ab.

  11. 11 umwerfend 26. Dezember 2011 um 20:31 Uhr

    @star wars:

    Aber vom Rassismus streicht die staatbürgerlicxhe Brille dennoch nichts weg.

    würde mich interessieren, wie du drauf kommst, dass ich das so sähe.

    Von ihm registrierte, potentielle „outsider“ („Unterschichten“, relativ „erfolglose“ Migranten), mit ihrer latent aufsässigen Lebensstilkultur, werden dagegen gnadenlos stigmatisiert, damit die Phantasterei des „nationalen Wir“ beim Staatsvolk neue Nahrung erhält (es wird ausgegrenzt und gespalten), sowie der Startschuss für eine auf die (sozialpolitische) Spitze getriebene Standortpoltitik abgegeben.

    zur ‚phantasterei‘: wie kommt es denn, dass einer abstand nimmt von seinem privatinteresse? wieso macht der das – wieso abstrahiert er davon? auch der lohnarbeiter ist dem staat unterworfen und benötigt diesen, um tagtäglich als lohnarbeiter antreten zu können.

    objektiv betrachtet, hast du recht: die nutznießer sind die kapitalisten. allerdings machen sich lohnabhängige, deren existenz dran hängt, dass das kapital sie benutzt, die interessen der nutznießer zueigen – solange wie sie als lohnabhängige funktionieren möchten (bzw. müssen: wenn es nicht genügende gibt, die die verhältnisse umwerfen können).

  12. 12 star wars 26. Dezember 2011 um 23:50 Uhr

    würde mich interessieren, wie du drauf kommst, dass ich das so sähe.

    Vielleicht habe ich dich falsch verstanden…

    umwerfendmeine behauptung ist jetzt, dass rassisten den rassismus nicht bewusst als konkurrenzmittel benutzen – und eigentlich sind sie in wahrheit keine rassisten – , sondern das zentrum der debatte der staat ist. die gedanken, die der rassist wälzt, sind nicht die des konkurrierenden privatsubjekts, sondern die des staatsbürgers.

    wieso macht der das – wieso abstrahiert er davon? auch der lohnarbeiter ist dem staat unterworfen und benötigt diesen, um tagtäglich als lohnarbeiter antreten zu können.

    Es ging mir erstmal um das falsche Bewußtsein. Das Konkurrenzsubjekt bzw. der Staatsbürger denkt sich bloß ein (bürgerliches) Gemeinwesen aus, in dem seine Privatinteressen mit dem vorherrschenden Interesse des kapitalistischen Wachstums (am Besten) miteinander im Einklang gebracht werden könnnten. Dazu gehören auch gemeinsame Wertvorstellungen, welche ein gemeinsames „Wir“, mitten in einer (kapitalistischen) Konkurrenzgesellschaft, prägen können.

    Und da stören ihm eben z.B. „arbeitslose“ Migranten, die mit
    Sprach-Slang durch die Gegend marschieren, und daher in ihrer kulturellen Ausstrahlungkraft nicht in seinem Ethos bzw. Wertehimmel des (von ihm auch ausgedachten) Gemeinwesens einfach hineingequetscht werden können.

    objektiv betrachtet, hast du recht: die nutznießer sind die kapitalisten. allerdings machen sich lohnabhängige, deren existenz dran hängt, dass das kapital sie benutzt, die interessen der nutznießer zueigen –

    Der Lohnarbeiter hat ein anderes Interesse, als das Interesse dass einen Kapitalisten selbst umtreibt. Allerdings ist dass Interesse des Lohnarbeiters, dem Interesse der Kapitalakkumulation bzw. des Profitstrebens untergeordnet. Schließlich bezieht er sein Interesse als Lohnarbeiter aus einer permanenten (zumindest aus der Alarmbereitschaft), nützlichen Verwendung seines Arbeitsvermögens, für den vorherrschenden Zweck der Kapitalakkumulation (auf der Mikro-, aber was sein Staatsbürgerbewusstsein betrifft, auch auf der Makroebene der Ökonomie relevant). Das ist der Haken an der ganzen Geschichte.

  13. 13 umwerfend 27. Dezember 2011 um 0:32 Uhr

    Schließlich bezieht er sein Interesse als Lohnarbeiter aus einer permanenten (zumindest aus der Alarmbereitschaft), nützlichen Verwendung seines Arbeitsvermögens, für den vorherrschenden Zweck der Kapitalakkumulation (auf der Mikro-, aber was sein Staatsbürgerbewusstsein betrifft, auch auf der Makroebene der Ökonomie relevant). Das ist der Haken an der ganzen Geschichte.

    ich sehe hier die differenz zwischen uns nicht.

    zum anderen im laufe des morgigen tages.

  14. 14 stankovic 28. Dezember 2011 um 19:52 Uhr

    umwerfend, eine hübsche Ironie, schon mit den ersten postings beginnend, nicht wahr? Ich an deiner Stelle wäre konsequent und würde keinen einzigen Kommentar kommentieren. Ich bin ab jetzt still! ;)

  15. 15 umwerfend 29. Dezember 2011 um 3:29 Uhr

    @star wars: zur phantasierten gemeinschaft: es gibt da ja einen realen bezugsrahmen. und es ist doch auch nicht so, dass man nicht merken würde, dass es konflikte gibt. es gibt aber etwas, was außerhalb von einem steht, was einen ganz real zusammenbringt und -hält – daher mein verweis auf den staat. es ist ansonsten nicht wirklich erklärlich, wieso sich eine/r nicht die heimelige gemeinschaft inkl. ali vom gemüseladen von der ecke zusammenbastelt. „meine ecke halt“.

    die idyllische gemeinschaft taucht doch in der regel so auf: als anspruch, dass es sie doch zu gäben hätte; so wie insgesamt der anspruch, dass es einem oder einer gut zu gehen hätte, als stinkaffirmative suche nach schuldigen anzutreffen ist. da ist also eine gemeinschaft vorgängig, die für die mitglieder nicht allzu angenehm ist, und der bürger sagt dann: da muss es schuldige geben dafür, dass das nationalstaatliche versprechen nicht aufgeht!

  16. 16 umwerfend 29. Dezember 2011 um 3:37 Uhr

    @stankovic: so kann man’s sehen. ich seh’s als schriftlich festgehaltetenen abschluss einer vergangenheitsbewältigung, die sich einige zeit hingezogen hat. ja, das hat auch was persönliches. das macht es weder falsch noch richtig.

  17. 17 umwerfend 29. Dezember 2011 um 3:45 Uhr

    nochmal zum interesse des lohnarbeiters: ein lohnarbeiter mag interesse an brot haben; die notwendige bedingung dafür, auch nur die chance zu haben, dass er zu brot kommt, ist dass er ausgebeutet wird. das ausgebeutet werden kommt vor jeglicher realisierung von bedürfnisbefriedigung, und sei sie noch so kläglich. daher ist jeder arbeiter praktisch darauf angewiesen, dass sein unternehmen gewinn macht. und das nimmt er/sie sich zu herzen.

  18. 18 und 29. Dezember 2011 um 11:25 Uhr

    „da muss es schuldige geben dafür, dass das nationalstaatliche versprechen nicht aufgeht!“

    Das ist EINE Methode, enttäuscht am Maßstab Nation festzuhalten, dass Verfehlungen und Abweichungen anderer für den eigenen Schaden verantwortlich gemacht werden. Nach Lumpen zu suchen, die in die nationale Suppe spucken würden, weswegen man selbst Nachteile habe, unterstellt allerdings bereits die Parteinahme fürs Nationale. Die Übersetzung nationaler Ansprüche in eigene Interessen ist nicht bloß ein irrtümlicher Glaube an ein materialistisches Versprechen – am Ende kommt immerhin für die meisten Schädigungen heraus!

  19. 19 star wars 29. Dezember 2011 um 16:03 Uhr

    die idyllische gemeinschaft taucht doch in der regel so auf: als anspruch, dass es sie doch zu gäben hätte; so wie insgesamt der anspruch, dass es einem oder einer gut zu gehen hätte, als stinkaffirmative suche nach schuldigen anzutreffen ist.

    Der erste Teil stimmt, nur muss jemand nicht unbedingt nach Schuldigen suchen weil etwas, ein eiserner Vorhang, was außerhalb von einem steht, ganz real zusammenbringt. Auch wenn dieses „etwas“, einem zunächst einmal wie etwas „ungreifbares“, „unkontrollierbares“ erscheinen mag. Abgesehen davon lässt sich dieses „etwas“ ganz real als bürgerlicher Staat zusammenfassen (in dem werden Freiheit und Gleichheit gewährt, sowie Gegensätze ausgetragen).

    Die Suche nach Schuldigen beginnt deswegen erst dann wenn die privaten Kalkulationen des Konkurrenzsubjektes nicht zu seiner vollsten Zufriedenheit aufgegangen sind. Er verdoppelt deswegen in seiner Rollenfunktion als Staatsbürger das bürgerliche Gemeinwesen, mit all seinen Widersprüchen und materiellen Gegensätzen, in ein Großes Gemeinschaftswerk, in dem bösen Außenstehende oder Nestbeschmutzer dieses Ideal beschädigen oder gar nur bestätigen können.

  20. 20 ex-x-berg-leserin 29. Dezember 2011 um 19:27 Uhr
  21. 21 umwerfend 29. Dezember 2011 um 20:29 Uhr

    @ http://umwerfend.blogsport.de/2011/12/26/linker-sumpf/#comment-926

    :-?

    ?

    du willst doch hoffentlich nicht nahelegen, dass die ergüsse, die da in letzter zeit erschienen sind, inkl. deppenflugi aus berlin, was mit dem zu tun haben, was unter gesellschaftskritik zu verstehen ist?
    /:)

  22. 22 Daeva 30. Dezember 2011 um 15:26 Uhr

    achtung: das soll kein aufruf sein, sich zu einigen. sondern einer dazu, mal die verhältnisse zu kritisieren und diese kritik den lohnabhängigen zu vermitteln. ob man sich als kritiker des privateigentums AD nennt oder antiimp, ist mir wurscht. solange die kritik stimmt und sich nicht nur an symptomen der gesellschaft abarbeitet.

    die materielle Ebene spielt zum einen bei den Antideutschen wie den Anti-Imps keine Rolle, zum anderen distanzieren sich Antideutsche explizit von jeder sozialen Intervention, sei es mit Verweis auf soziale Frage = Volksfront oder deutscher Produktionsweise (eigentlich Reproduktionsweise).
    So gesehen ist es dringend notwendig für soziale Interventionen sich gegen Antideutsche zu wenden und ihr „Ideologiekritik“ zu denunzieren.

    Ferner wüßte ich nicht, warum man sich auf die Linke beschränken und wieso die Linke als Dienstleister auftreten sollte. Denn dabei wird suggeriert, dass die Linke außerhalb der gesellschaftlichen Verhältnisse stehen würde und außerdem irgendwas sinnvolles beizutragen hätte.

  23. 23 stankovic 30. Dezember 2011 um 21:05 Uhr

    Man möchte ja glauben, wenn man an den Antideutschen genau so viel auszusetzen hat wie an den Antirassisten, dass man einer dritten Gruppe angehört, die mit keiner der beiden anderen verwechselt werden kann.

    Immerhin spricht man sich gegen die Solidarität mit einem Staat aus, der dieser nicht bedarf, weil er bis an die Zähne bewaffnet ganz gut alleine sein Existenzrecht durchsetzen kann.

    Weil man aber auch weiß warum es dämlich ist, ein Land oder einen Staat zu lieben, hält man auch nichts davon einen Staat zu hassen, sondern bescheidet sich damit, sich an der Frage abzuarbeiten, was Israel will, wenn es seine Streitkräfte mal wieder zuschlagen lässt, erlaubt sich aber auch die Frage, warum gar nicht mal so wenige Araber spinnen.

    Und was hat man davon? Da die Antisemiten, hier die Rassisten – und man selber ist plötzlich beides, je nach dem, wer gerade einen beschimpft, das eine oder das andere. Na toll! Der eigene abweichende Sprechort muss nur als solcher erkannt werden, was nun wirklich nicht schwer ist, weil man ja was dagegen sagen wollte – schon ist man einer brutalen Logik nach Anhänger der Gegenseite und entlarvt.

    umwerfend, wir sollten uns mal entscheiden, ob wir lieber Rassisten oder Antisemiten sein wollen.

  1. 1 Vermischtes « Entdinglichung Pingback am 26. Dezember 2011 um 14:07 Uhr
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