Nicht-Eigentümer/innen

Es existieren im Übrigen durchaus Menschen, die sich darin üben, mitten in der Eigentümer/innengesellschaft nicht nur die Illusion zu pflegen, man könne sich als Nicht-Eigentümer/innen verhalten (und das sei antikapitalistisch), sondern dies auch noch zu praktizieren versuchen. Derzeit prominent ist wohl die Containern-Szene zu nennen. Da verhält man sich zu sich selber nicht mehr als Eigentümer/in – im „Idealfall“ –, verkauft / vermietet also die Arbeitskraft nicht mehr; sondern versucht sich über den „Abfall“ der Eigentümer/innengesellschaft zu erhalten.

Dazu so viel:

Eine antikapitalistische Praxis bescheinigst du Leuten, die sich – ohne Einkommen und ohne Geld – aus den Abfallcontainern der Supermärkte ernähren, andere Freiräume nutzen und ansonsten mit Nachbarschaftshilfe über die Runden kommen. Schön, sie leben alternativ; aber was hat das mit Antikapitalismus zu tun?
Wer damit ernst macht, geht manchen Zwängen des Geldverdienens und der Karriere aus dem Weg und handelt sich dafür andere, gemessen am durchschnittlichen Lebensstandard des 21. Jahrhunderts, radikale Entbehrungen und Nöte ein. Immerhin ist, was so jemand freiwillig als alternatives Leben wählt, noch ein bisschen härter als das Elend, das der Kapitalismus anderen Leuten gegen ihren Willen und gegen alle ihre Bemühungen, Geld zu verdienen, aufzwingt, wenn die als unbrauchbar und überflüssig für das Wirtschaftswachstum aussortiert und in Hartz IV verstaut sind. Aber bitte, jeder kommt halt auf seine Weise mit den kapitalistischen Lebensbedingungen zurecht und wird nach seiner Façon selig. Auch für diesen Lebensstil ist Platz im Kapitalismus; Bohemiens und Clochards – so nannte man früher Vertreter dieses Lebensstils – gibt es so lange wie den Kapitalismus. […] In der Überzeugung, im Leben nicht den Imperativen des Kapitals Folge zu leisten, sondern einen ganz selbst gewählten Lebensstil nach eigenem Gusto zu pflegen und „selbstkritisch und reflektiert ihr Leben zu gestalten und selbst zu organisieren“, stehen die normalen Menschen, deren angepasste Sittlichkeit du ungebührlich findest, deinen nonkonformistischen Freunden, die im Sich-Einrichten im marktwirtschaftlichen Elend das „richtige Leben im falschen“ gefunden haben, in nichts nach.


10 Antworten auf „Nicht-Eigentümer/innen“


  1. 1 Apple 04. Januar 2011 um 12:43 Uhr

    Wenn du dass Eigentümer-Dasein am Verkauf der Arbeitskraft festmachst, müsstest du auch alle Arbeitslosen zu Nicht-Eigentümern erklären. Die sind aber – genauso wie die Containerer – per staatlicher Setzung Eigentümer ihrer Selbst. D.h. der Staat bescheinigt ihnen die abstrakte Verfügung über ihren Körper und Geist, so dass andere (z.B. Kapitalisten) darüber nur mit ihrer Einwilligung verfügen können – sprich, man darf solche Leute z.B. nicht versklaven und zur Arbeit zwingen, selbst wenn es einer wollte. Anders gesagt: Sie sind Rechtspersonen, auch wenn es subjektiv für ihre eigenen ökonomischen Vorhaben nicht relevant ist.

    Wirkliche Nicht-Eigentümer sind z.B. Kinder, Menschen, die als geistig behindert eingestuft werden, vor nicht allzu langer Zeit auch solche, die als Frauen klassifiziert wurden.

  2. 2 umwerfend 04. Januar 2011 um 13:08 Uhr

    die Illusion zu pflegen, man könne sich als Nicht-​Eigentümer/innen verhalten

    ich mach das eigentlich nicht daran fast. aber vielleicht muss ich es umformulieren, wenn das so rüberkommt, wie von dir geschildert.

  3. 3 Apple 04. Januar 2011 um 13:20 Uhr

    Ich hab mich auch den Satz bezogen: „Da ver­hält man sich zu sich sel­ber nicht mehr als Ei­gen­tü­mer/in – im „Ide­al­fall“ –, ver­kauft / ver­mie­tet also die Ar­beits­kraft nicht mehr

    Aber ja- wo ich es mir jetzt nochmal durchlese, habe ich wohl zu viel reininterpretiert.

  4. 4 umwerfend 04. Januar 2011 um 13:30 Uhr

    das mit dem „idealfall“ etc – also dieser satz – bezieht sich darauf, wie sich das viele einige (lange nicht alle) containern-fans vorstellen.

  5. 5 tee 04. Januar 2011 um 15:50 Uhr

    wie sich das viele (nicht alle) containern-fans vorstellen

    von den vielen „fans“ des containerns, die ich kennenlernen durfte und zu denen ich mich selbst wohl zählen muss, würde ich gerade mal 20% diese nichteigentümer_innen-denke zusprechen. also eher wenige, denn viele.

    wieso ist das überhaupt „derzeit prominent“ zu nennen?

  6. 6 umwerfend 04. Januar 2011 um 16:56 Uhr

    wieso ist das überhaupt „derzeit prominent“ zu nennen?

    ist meiner meinung nach halt ziemlich „in“, also zB auch in ö, wie durch gespräche erfahren.

    ok, dann wenige – kommt wohl darauf an, mit wem man spricht.

  7. 7 tee 04. Januar 2011 um 17:35 Uhr

    ich hab‘ halt das gefühl, hier isses mittlerweile wieder out. gab vor ein paar jahren eine art hype, mit fernsehberichten usw. usf. das hat das containern dann auch nochmal stark in unpolitische kreise getragen, andererseits gab in politischen kreisen (und bei blogsport ;)) kritik an solchen denkweisen. ich meine mal, die hat da auch was bewirkt. (ein bsp.)

    also weitermachen! ;)

  8. 8 tee 04. Januar 2011 um 17:36 Uhr

    „(und bei blogsport ;) )“ sollte es heissen. ich kicher‘ doch nicht!

  9. 9 umwerfend 04. Januar 2011 um 18:11 Uhr

    ö hinkt fast immer ein paar jahre nach.

  10. 10 tee 04. Januar 2011 um 19:31 Uhr

    zeit es mal wieder anzuschliessen!

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.